Bewusstseins-Motivations-Coaching

Im Wandel.

Das Leben befindet sich im ständigen Wandel. Habt ihr auch sicher schon oft gelesen. Alles ist besser als Stillstand. Auch dies ein oft zitierter Satz.

Um es jetzt einmal in einfachen Worten zu beschreiben, würde, dass ja bedeuten, dass ich ständig in Bewegung bin, stets eine Veränderung stattfindet. Das klingt irgendwie so anstrengend, mir fehlt da etwas die Ruhe. Will ich das denn überhaupt? Einen ständigen Wandel? Mich immer wieder neu finden? Was genau bedeutet eigentlich „sich im Wandel“ befinden. Kann nicht auch eine Phase des Stillstandes der Weg zum Wandel sein?

Dazu eine kleine Geschichte:

Karl, ein ruhiger ausgeglichener Zeitgenosse, verbringt gerne seine freie Zeit mit ausruhen und langen Spaziergängen. Das war nicht immer so. Davor war er sehr erfolgreich in seinem Beruf, kreativ und inspirierte sein Umfeld mit immer neuen Ideen. Freizeit war für ihn ein Fremdwort. Er schien immer in Bewegung zu sein und wollte ständig neues dazu lernen. Noch nicht abgeschlossen mit dem einen, hatte er schon wieder ein neues Projekt, dass seine Begeisterung fand. Seine Energie schien wie eine ewig brennende Lampe die einen Raum stets mit hellem Licht durchflutete. Damals machte sich Karl keine Gedanken darüber, dass der innere Akku auch seine Begrenzungen hat. Das Dauerpower auch einen hohen Energieverbrauch fordert ignorierte er. Über Warnungen von seinem Umfeld, er müsse sich auch mal Pausen gönnen, winkte er nur ab. Karl war der Meinung, dass Entspannung vergeudete Zeit ist. Er verspürte innerlich den Drang immer etwas tun zu müssen. Zu viel Ruhe empfand er als unangenehm. Selbst beim zu Bett gehen war für ihn klar, dass er die Zeit bis zum Einschlafen, damit verbrachte neue Pläne zu schmieden. Sollten die anderen sich nur ausruhen, dann schaffte er halt für die mit. Hauptsache es geht schnell vorwärts.

Karl war mal wieder an einem Projekt, hatte ein zweites in den Anfängen und das dritte schon im Kopf. Eigentlich wie immer, und doch nicht. Beim eigentlichen Projekt passierten ihm Fehler, er kam zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. So etwas kannte er nicht. Sein erster Ärger bezog sich nur über seine eigene Person. Nachdem das zweite Projekt dann auch in Verzug kam, wuchs sein Ärger auch über die anderen. Plötzlich störte ihn, dass seine Kollegen ein anderes Arbeitstempo wie er hatten, dass alles an ihm hängen blieb und keiner nachfragte und Hilfe anbot. Die anderen registrierten zwar, dass bei Karl gerade nicht alles ganz rund lief, doch da Karl ja immer alles selbst erledigen wollte und es ihm eh keiner recht machen konnte, hatte auch keiner wirklich Lust darauf sich einzubringen.

Die Lage spitzte sich zu und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich überfordert, ausgelaugt, leer im Kopf. Das wollte er auf keinem Fall zulassen. Mit aller Macht kämpfte er dagegen an. Dann arbeite ich eben noch mehr, schlafe weniger und wenn ich dann das alte Projekt abgeschlossen habe, kommt mit dem neuen auch wieder meine neue Power. So versuchte er sich seine Lage schön zu reden, denn innerlich spürte er schon längst, dass es weitaus schlimmer war als er sich eingestehen mochte.

Eine kleine Weile gelang ihm dies auch noch, bis zu dem Morgen, an dem er nicht mehr aufstehen konnte. Es war ein Freitagmorgen, sein Kopf sagte ihm in den ersten Stunden immer wieder „du musst, los steh jetzt auf“, doch sein Körper wollte sich einfach nicht bewegen. Es war als wären seine Gliedmaßen alle einzeln mit schweren Eisenketten und Gewichten beschwert ans Bett gekettet.

Ein Tag und eine Nacht lag er einfach nur da, starrte an die Decke oder schlief. Er aß und trank nichts, noch nicht einmal einen Drang die Toilette aufzusuchen, verspürte er. Es war als hätte sich sein kompletter Körper in einen Stillstand versetzt.

Im Betrieb war man verwundert, dass Karl nicht zur Arbeit erschien, sich nicht einmal abmeldete. Da er aber sowieso immer eher der arbeitswütige Einzelgänger war, und in der letzten Zeit reichlich schlechte Laune verbreitete, kümmerte sich aus diesem Grund auch niemand weiter darum.

Nachdem Karl nun einen Tag und eine Nacht nur so da lag, schaffte er es am Samstag sich träge zur Toilette zu schleppen, und begab sich dann, mit zwei Flaschen Wasser, zurück zum Bett. Außer, dass er ab und zu Wasser trank, lag er einfach weiterhin nur so da, schlief oder schaute an die Decke. Sein gesamter Denkapparat schien ausgeschaltet zu sein.

Montagmorgens, als Karl immer noch nicht zur Arbeit erschien, meldeten die Angestellten, denen Karl überstellt war, dem obersten Chef, dass er nicht erschienen und auf dem Geschäftshandy auch nicht erreichbar war. Der Big Boss (so nannte man ihn intern unter der Belegschaft), wollte wissen ob ihn jemand privat versucht hat zu erreichen. Nein Niemand, denn wie es sich rausstellte, hatte keiner eine private Nummer oder wusste gar wo er wohnte. Während der Big Boss, der Personalabteilung den Auftrag gab näheres über die Adresse heraus zu finden, meldete sich Karl selbst bei ihm.

Er teilte in kurzen Worten mit, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht erscheinen kann und erst einmal 4 Wochen von seinem angesammelten Urlaub dafür verwenden möchte. Der Big Boss, wollte das erst nicht so hinnehmen, und meinte, dass dies nicht so einfach ginge. Worauf Karl ebenfalls in kurzen Worten antwortete, dass er ihm dann eben kündigen soll. Da Karl der mit Abstand beste Mann im Betrieb war, ruderte der Boss natürlich zurück und genehmigte erst einmal die vier Wochen.

Karl hätte auch zum Arzt, zwecks Krankenschein, gehen können, aber das konnte und wollte er nicht. Was sollte er ihm sagen? „Ich kann nicht mehr aufstehen, ich bin körperlich und geistig so müde.“ Nein das war für ihn keine Option. Er musste erst einmal selbst mit sich und seiner neuen Verfassung klarkommen. Und sein Gefühl sagte ihm, dass einzige was hilft ist Ruhe und Rückzug.

Drei Wochen machte er nur das Nötigste. Die ersten zwei Wochen aß er nichts, trank Wasser und ab und zu Obst- oder Gemüsesäfte, die er noch im Haus hatte. Ohne es zu wissen praktizierte er ein zweiwöchiges Heilfasten in Verbindung mit ausgiebiger Meditation, in Form von im Bett liegen und an die Decke starren. Beides Praktiken, die in solchen Fällen nachweislich zur Gesundung beitragen können. In der dritten Woche bestellte er sich ab und zu etwas zu essen, denn er verspürte wieder langsam ein natürliches Hungergefühl. Während der vierten Woche hatte er den Drang an die frische Luft zu gehen, raus in den Wald. Tief durchatmen, die Sonnenstrahlen genießen, die Natur wahrnehmen, für ihn früher undenkbar.

Er spürte, dass in ihm eine Veränderung geschah, er konnte sich noch nicht entscheiden ob das nun positiv oder negativ ist, aber er wollte es weiter zulassen und sehen was geschieht. Er meldete sich in der vierten Woche wieder im Geschäft, erklärte seinem Chef jetzt etwas ausführlicher sein Befinden und bat um weitere zwei Wochen seines Urlaubes. Der Chef hatte so etwas in der Richtung vermutet und ihm zugestanden sich die Zeit zu nehmen, die er braucht. Mittlerweile hatte er sich über Karl schlau gemacht. Entdeckt, dass er jahrelang nie seinen vollen Urlaub nahm, niemals Überstunden angab, obwohl diese unendlich viel gewesen sein mussten und sich nie über zu viel Arbeit beschwerte. Auch das anfängliche Chaos, dass durch das Fehlen von Karl erstmal im Betrieb stattfand, sprach dafür welche Leistungen er tagtäglich brachte. Doch langsam begann auch hier eine Veränderung. Angestellte, die unter dem Schatten Karls standen, blühten in seiner Abwesenheit plötzlich auf. Übernahmen Verantwortung und brachten neue Ideen ein. Auch der Big Boss erkannte, dass er sich selbst wieder mehr einbringen muss. Er musste in Zukunft darauf achten, dass die Firma nicht von den Leistungen eines Mannes abhängig sein darf. Alles musste mehr verteilt werden, um Überlastungen vor zu beugen und um zu verhindern, dass der Ausfall einer einzigen Person zu so einem Problem wird, wie es durch den Ausfall von Karl wurde. Und er dachte auch etwas über sein Arbeitspensum nach, dass ebenfalls enorm hoch war. Aus diesem Grund war der funktionierende Karl, ja gerade so ideal. So konnte er sich ganz seinen Aufgaben widmen. Es musste sich also einiges in der Struktur ändern.

Karl blieb noch weitere vier Wochen Zuhause. Danach traf er sich erst einmal mit seinem Big Boss. Sie hatten ein sehr langes intensives ertragreiches Gespräch, dessen Ausgang sich Karl so nie hätte träumen lassen. Er rechnete damit in der Firma etwas herabgestuft zu werden, da er ja nicht mehr leistungsfähig war und in seinen Augen versagt hatte. Doch tatsächlich bot ihm der Big Boss einen Platz an seiner Seite an. Er brauchte einen zuverlässigen Mann an seiner Seite, der weiß auf was es ankommt und ihn auch mal entlasten kann. Außerdem müsse er in Zukunft seinen Urlaub nehmen und an den neu eingeführten Entspannungsaktivitäten der Firma teilnehmen.

 Karl konnte es nicht fassen, so viele Jahre hatte er so hart gearbeitet, um die Karriereleiter nach oben zu klettern, und jetzt nachdem er das tat, was für ihn ein vollkommenes No-Go war, nämlich nichts tun, Urlaub machen, wurde er zur zweiten Hand des Chefs ernannt.  

Fazit

In dieser Geschichte zeigt sich deutlich, dass Stillstand gleichzeitig Wandel bedeuten kann. Während Karl gezwungen durch seinen Zusammenbruch still stand, hat sich nicht nur sein Leben gewandelt, sondern auch sein Umfeld kam dadurch in den Genuss der Veränderung. Angestellte, die sich jetzt aktiver einbringen, in der Firma wurden Gesundheitsfördernde Programme eingeführt. Der Chef der sein Leben bewusster gestalten möchte. Und Karl der jetzt das Leben außerhalb der Arbeit wieder wahrnahm und es auch zu genießen gelernt hat. Abgesehen von seinem neuen Aufgabenfeld, inklusive Gehaltserhöhung. Zugegeben das mit dem Aufstieg und der Gehaltserhöhung ist wie in einem schönen kitschigen Film. Aber manchmal schreibt das Leben eben auch schöne kitschige Filme mit Happy End. Aber viel schöner finde ich an der Story, den Part, in dem er wieder lernte, was es bedeutet zu Leben. Wenn er es genießt durch den Wald zu spazieren und sich von den Sonnenstrahlen kitzeln lässt.

Dies wünsche ich euch auch von Herzen,

viele schöne Momente mit Dingen, die ihr im vollen Bewusstsein macht, und genießen könnt.

Bis bald

Petra Glas 😊



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