Bewusstseins-Motivations-Coaching

3. Advent

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass die „besinnlichste“ Zeit im Jahr gleichzeitig auch immer die stressigste zu sein scheint? Jedes Jahr, wenn ich fix und fertig noch kurz vor knapp alles geschafft habe, nehme ich mir vor es im nächsten Jahr besser zu machen. Und was soll ich sagen, es ist mir noch nicht ein einziges Mal gelungen. Ich schaffe es zwar immer die vermeintlich „wichtigen“ Dinge zu erledigen, aber für die schönen Momente bleibt kaum Zeit. Zum Beispiel nehme ich mir jedes Jahr vor einen schönen Nachmittag mit meinen Freundinnen zu verbringen. Kaffee, Tee, Kuchen, vielleicht etwas nettes Spielen oder Weihnachtslieder singen. Was auch immer, einfach eine schöne Zeit haben. Wieder einmal ein schönes Weihnachtsbuch lesen, umhüllt von Kerzenlicht eingekuschelt in eine wollige Decke, etwas Gebäck und eine schöne Tasse heiße Schokomilch. Eine schöne Winterwanderung und und und…. Ich könnte noch einiges aufzählen, doch wie schon erwähnt, schwubs ist da schon wieder der 24. Dezember, Heiligabend. Dazu würde ich euch gerne eine Geschichte erzählen.

Die verlorene Zeit

Die kleine Anna war auf der Suche. Sie stöberte jede Ecke in jedem Zimmer durch. Zuerst fiel das weiter keinem auf, doch irgendwann fragte ihr Bruder sie doch: „Anna was suchst du denn?“. „Die Zeit“, antwortete Anna, während sie gerade die Schublade der alten Kommode durchwühlte. „Glaubst du im Ernst die Zeit liegt in der Schublade?“, entgegnete er ihr mit einem verwunderten Lachen im Gesicht. „Wo kann ich sie sonst finden?“. „Frag Mama“, gab er kurz zurück und verlies lachend das Zimmer. Daraufhin ging Anna in die Küche, in der ihre Mutter gerade mit Kochen beschäftigt war, und fragte: „Mama wo finde ich verlorene Zeit?“. „Was suchst du?“. „Verlorene Zeit“, antwortet Anna erneut. Ihre Mutter schüttelte etwas irritiert den Kopf. „Wie kommst du denn auf sowas? Da fragst du mal am besten deinen Vater, der gerade vorm Fernseh liegt und sich sinnloses Zeug anschaut.“.

Anna befolgte ihren Rat und ging ins Wohnzimmer. „Papa, wo finde ich verlorene Zeit?“. „Hat dich deine Mutter geschickt? Soll das eine Anspielung sein, weil ich hier sitze und fernsehe?“. „Keine Ahnung. Ich habe Mama gefragt und sie meinte ich soll dich fragen. Und? Wo finde ich jetzt verlorene Zeit?“. „Frag Oma, die hat schließlich schon die meiste Zeit auf dem Buckel, die kann dir bestimmt weiterhelfen.“. Mit diesen Worten drehte er sich wieder zum Fernseher.

Mit einem tiefen Seufzer ging Anna in Richtung Terrassentür, um nachzuschauen, ob ihre Oma draußen im Garten ist. Tatsächlich war sie da, wie meist, wenn man Oma suchte. Oma liebte den Garten und verbrachte soviel Zeit wie sie konnte darin. „Was hat meine kleine Anna?“, fragte sie, nachdem sie ihre traurig dreinblickende Enkelin vor sich stehen sah. „Ich suche etwas, aber keiner will mir weiterhelfen.“. „Na was sucht denn meine liebste Enkelin?“. „Verlorene Zeit. Ich suche verlorene Zeit.“, betonte und wiederholte Anna. „Und warum?“, fragte Annas Oma. „Weil die Erwachsenen ständig davon reden. Kannst du mir erklären was das bedeutet? Was die Erwachsenen damit meinen, wenn sie von verlorener Zeit reden?“. „Weißt du mein Kind, auf den ersten Blick erscheint die Antwort darauf einfach, aber das ist sie nicht wirklich. Denn Zeit und was man damit macht, ob das sinnvoll ist, oder nicht, ist alles eine Sache der Wahrnehmung.“. „Das verstehe ich nicht.“, entgegnete Anna. Oma setzte sich auf die Bank und bat ihre Enkelin sich zu setzen. „Sieh mal, ich bin in den Garten, um Gartenarbeit zu verrichten, aber stattdessen sitze ich jetzt hier mit dir auf der Bank und unterhalte mich mit dir. Aus Sicht der noch zu erledigenden Gartenarbeit ist es verlorene Zeit. Aus meiner und deiner Sichtweise ist es wichtige Zeit, denn du möchtest etwas wissen und ich freue mich es dir erklären zu dürfen.“. „Also kann die gleiche Zeit verschiedene Bedeutungen haben?“, fragte Anna nach. „Ja so ist es“, bestätigte Oma. „Und wie weiß ich wann es gute, oder verlorene Zeit ist?“. “Schau, das beste Beispiel haben wir gerade bei deinen Eltern. Dein Vater schaut Sport im Fernsehen, für ihn informativ, gut genutzte Zeit, weil er sportbegeistert ist. Deine Mama ist das nicht und findet, dass dein Vater seine Zeit vergeudet und etwas sinnvolleres tun könnte. Für sie ist das, was dein Vater macht, verlorene Zeit.“. Anna überlegte etwas, dann sagte sie, „Erwachsene machen alles so kompliziert. Also eigentlich ist es doch blöde die Zeit in gute oder schlechte Zeit einzuteilen. Ich denke, egal was ich mit der Zeit anfange, auch wenn ich nur rumsitze, dann war oder ist es in dem Moment gut für mich. Sonst hätte ich ja etwas anderes gemacht, und da muss ich mir das doch nicht im Nachhinein schlecht reden, indem ich die Zeit als verlorene Zeit ansehe?“. „Genau so ist es. Das wissen kleine Kinder und so alte Menschen wie ich. Die dazwischen sind zu sehr damit beschäftigt der Zeit nach zu rennen, um das zu erkennen.“.

Durch das Schreiben dieser Geschichte wurde mir klar, wie unsinnig es von mir ist mich darüber zu ärgern, dass ich in der Vorweihnachtszeit gewisse Dinge nicht erledigt bekomme. Dass ich die Zeit eh nicht zurückdrehen kann. Und wenn ich es besser organisiert bekommen würde, hätte ich es ja getan. Folglich akzeptiere ich es jetzt einfach so wie es ist und verbringe einfach gleich nach Weihnachten eine schöne Zeit mit meinen Freundinnen. Was für die wahrscheinlich auch entspannter ist. Denn ich denke mal, denen geht es nicht anders als mir.

Fazit: Tut was ihr tun müsst, und was nicht in euren Zeitplan passt macht ihr einfach später.

Einen schönen 3. Advent.

Bis zum 4.

Petra Glas 😊

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